Der teure (Neu-)Kunde

Wir leben in Nullzinszeiten, die smarte Konkurrenz lockt ohne Filialen aufs Smartphone – und nun wollen möglicherweise auch noch die großen US Tech-Companies in den Finanzmarkt einsteigen, die entsprechend gut gefüllte Marketing-Taschen haben. Für Banken und Finanzdienstleister wird es zunehmend schwieriger und somit auch teurer, Neukunden zu gewinnen.

Kunden vergleichen Finanzprodukte – im Internet

Der Bank-Kunde von heute ist bei Standard-Finanzprodukten vor allem online unterwegs. Jährlich werden alleine in Deutschland mehr als drei Millionen neue Konten online abgeschlossen. Während man früher zur Filialbank um die Ecke gegangen ist, vergleicht der Deutsche nun im Internet, was zu einem massiven Wettbewerb geführt hat. Finanzprodukte sind im Gegensatz zu einem „einfachen“ Girokonto stark erklärungsbedürftig, schwer zu vergleichen, was einen einfachen und skalierbaren Online-Vertriebsweg damit erschwert. Daher sind auch Banken die besten Kunden für Google & Co., da sie mitunter den höchsten Preis pro Klick bezahlen. Suchworte wie „Kredite vergleichen“ können pro Klick bis zu 30 Euro kosten.

Neukunden-Druck auch im Private Banking

Aber auch im klassischen Private Banking, also dem vermögenden Kundensegment, lastet ein immenser Wachstumsdruck. So kämpfen in der Schweiz vor allem die etablierten Institute erbarmungslos um jeden Neukunden. Das macht meist betriebswirtschaftlich wenig Sinn, schönt aber zumindest kurzfristig noch die Wachstumszahlen. Vor allem die Kennzahl des Nettoneugeldzuflusses bei Privatbanken führt zu bizarren Auswüchsen und einem verkehrten Fokus auf die Kunden. So werden bestehende Kunden – man kennt es von klassischen Mobilfunkverträgen – bei weitem nicht so umschmeichelt und mit Rabatten versehen, wie ein neuer Kunde, den man am besten auch noch von der Konkurrenz abwirbt.

Neuakquise bis zu zehnmal teurer im Private Banking

Spannend ist eine Umfrage unter Schweizer Privatbanken, die zu Tage gebracht hat, dass viele Kunden aufgrund des fehlenden Austausches und persönlichen Kontaktes sich von ihrer Bank abwenden. Doch wäre das Kümmern um einen Bestandskunden ökonomisch deutlich sinnvoller als die Akquise von neuen Kunden, da die Kosten der Neukundenakquise um ein Mehrfaches höher sind als die Pflege bestehender Kunden. Branchenvertreter aus der Schweiz gehen hier sogar von sieben bis zehnmal so hohen Kosten aus.

Online-Marketing als „Hindernis“ für Banken

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